Amela Radetinac

Von der Industriekauffrau zur Wissenschaftlerin

Portrait von Amela Radetinac Foto: FernUniversität
Amela Radetinac

Erst einmal eine solide Ausbildung. Obwohl sie nach dem Abitur gern ein Studium aufgenommen hätte, war Amela Radetinac dies aus familiären und finanziellen Gründen nicht möglich. Eine Ausbildung bei Thyssen hingegen schien für die Duisburgerin das Passende zu sein. Industriekauffrau sein und das bis zur Rente, so die Perspektive. Gekommen ist es dann doch ganz anders. Mittlerweile ist Amela Radetinac auf dem besten Weg zur Wissenschaftlerin. Geebnet hat diesen ihr Soziologiestudium an der FernUniversität in Hagen.

„Ich bin durch eine Freundin auf die FernUni aufmerksam geworden“, blickt die 39-Jährige zurück. Gemeinsam waren die beiden 2007 im Studienzentrum Bottrop der FernUniversität, um sich dort nach der abgeschlossenen Ausbildung zur Industriekauffrau und ein paar Jahren Berufserfahrung über ein Wirtschaftswissenschafts-Studium zu informieren. „Wir haben einen Blick ins Studienmaterial geworfen. Wiwi fand ich schrecklich. Aber es gab auch Unterlagen aus KSW. Die haben mich sofort angesprochen und ich habe mich kurzerhand in den Bachelor Kulturwissenschaften eingeschrieben.“

Leidenschaft für Wissenschaft

Weiter arbeiten und nebenbei ein bisschen studieren. So hatte sich die Endzwanzigerin ihr Fernstudium vorgestellt. „Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass das Studium doch mehr Aufmerksamkeit braucht. Also habe ich angefangen, jeden Morgen vor der Arbeit zu lernen: Um vier Uhr rappelte der Wecker.“ So ging das Studium gut voran und lief der kaufmännischen Arbeit den Rang ab. Bei ihrer Bachelorarbeit entdeckte sie dann das erste Mal ihre große Leidenschaft: „Das wissenschaftliche Arbeiten hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Eine Erkenntnis, die für Amela Radetinacs weiteres Leben entscheidend werden würde.

Nach dem Bachelor entschied sie sich zwar zunächst gegen ein Masterstudium und für die Arbeit als freie Journalistin. „Mir hat bei der Arbeit aber irgendwann die Tiefe gefehlt. Ich wollte mich intensiver mit Themen befassen und am liebsten wieder wissenschaftlich arbeiten.“ Auf der Suche nach dem passenden Master schaute sie sich erneut bei der FernUniversität um und fand mit Soziologie genau das, was sie gesucht hatte. „Über die Soziologie kann man zu jedem Bereich einen Zugang finden. Die Soziologie hilft mir, die Welt ein bisschen besser zu verstehen und zu erklären, warum die Dinge so sind, wie sie sind.“

Buchprojekt und wissenschaftliche Hilfskraft

Mittlerweile hat Amela Radetinac ihre Arbeit als Journalistin aufgegeben. Lediglich ein Buchprojekt liegt ihr noch am Herzen: „Ich habe ein Faible für Science-Fiction in Film und Buch und habe mit der Arbeit an einem eigenen Buch angefangen, in dem ich meine Interessen an Technik und sozialen Verhältnissen kombinieren kann.“

Ansonsten arbeitet sie als wissenschaftliche Hilfskraft im Lehrgebiet Soziologie 1 - Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie von Prof. Dr. Frank Hillebrandt. „Gerade unterstütze ich den Professor bei der Analyse von Dokumentarfilmen. Für die Wissenschaftlichen Mitarbeitenden führe ich Recherchen durch, besorge Literatur, lese Korrektur.“ In der übrigen Zeit lernt sie für ihren Masterabschluss. „Ich brauche noch eine Hausarbeit und die Masterarbeit.“

Danach soll, wenn möglich, die Promotion folgen. Denn diese gibt Amela Radetinac die Möglichkeit, auch zukünftig weiter wissenschaftlich zu arbeiten. Genaue Pläne hat sie für ihre Zukunft allerdings noch nicht. „Ich mache das wegen der Sache an sich, die mir einfach unglaublich viel Spaß macht. Ich brauche keine Planbarkeit. Als ich den Beruf als Industriekauffrau aufgegeben habe, war mir klar, dass ich auf Risiko setze.“ Bis heute hat sie diese Entscheidung nicht bereut.

Stand: Mai 2019

Carina Grewe | 27.05.2019